Gert's Fernseh-sucht-Perlen
Ersatzhandlungen
Erstellt: |
Donnerstag, 18. Juni 2009 um 08:01 Uhr |
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Autor: Gert Flegelskamp |
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Es ist wie mit dem Rauchen. Die ersten Tage sind schlimm, aber mit jedem Tag des Verzichts wird es besser, bis man schließlich nur noch sporadisch in Versuchung gerät. Bei der Raucherei ist solch ein Moment der Versuchung allerdings ungleich gefährlicher als beim Fernsehen. Man bittet einfach einen Kumpel um einen Glimmstängel und wenig später kauft man sich bereits wieder eine Packung mit riesigen Lettern, dass Rauchen tödlich ist und etlichen anderen Aussagen. Aber ist das Leben nicht auch tödlich? Na ja, ich bin Raucher und werde wohl deshalb auch keine 100 Jahre alt. Aber mal ehrlich; wer will heute noch 100 Jahre alt werden? Spätestens ab einem Alter von 50 Jahren kommt man doch in den Genuss einer Dauerdiskriminierung, es sei denn, man gehört zu den Persönlichkeiten, die ihre Altersversorgung nicht durch eigene Einzahlungen finanziert haben, wie Politiker, die meisten Wissenschaftler, die Beamten (vor allem die des gehobenen oder höheren Dienstes). Haben Sie hingegen ein Leben lang Rentenbeiträge gezahlt und erwarten deshalb im Alter, dass man Ihnen nun auch eine Rente zahlt, gelten Sie als einer von denen, die die Jugend ausbeuten, Schuld haben an der Staatsverschuldung und ähnlichen Schwachsinn mehr. Diejenigen, die diesen Müll permanent propagieren, sind zumeist Leute, die entweder bereits im "Pensionsalter" sind, wie bspw. Helmut Schmidt oder Altbundespräsident Roman Herzog, oder auf satte Pensionszahlungen spekulieren können, wenn sie erst einmal in den Ruhestand gehen, wie unsere Politiker-Riege, unsere Justiz-Beamten, die Herren Professoren mit Lehrauftrag an staatlichen Universitäten und natürlich die Damen und Herren aus den Vorstandsetagen der großen Konzerne, die sich mit unverfrorener Selbstbedienungsmentalität Alterszahlungen bewilligten, die außerhalb des Verständnisvermögens eines normalen Rentners liegen. Warum also ein Alter von 100 Jahren anstreben, wenn man fast die Hälfte davon in steigender Armut verbringen muss, weil man nicht zu den vorgenannten "erlauchten Kreisen" zählt?
Es ist schlimm, ich bin wieder abgeschweift, denn eigentlich wollte ich ja über den nicht vorhandenen Fernseher berichten. Anders als bei der Raucherei führt hier der Anflug eines Rückfalls nicht dazu, dass man gleich in die "ich bin doch nicht blöd"-Läden eilt, um das Gegenteil zu beweisen und sich wieder einen Fernseher anzuschaffen. Nein. Man fragt z. B. einen Kumpel, ob man am Abend mal einen Film schauen darf. Meine Damen, wenn Sie sich nun diskriminiert fühlen, weil ich den Begriff "Kumpel" gewählt habe, lag das nicht in meiner Absicht. Stellen Sie sich einfach vor, unsere umtriebigen Rechtschreibunges-Reformer hätten aus "der Kumpel" das Neutrum "das Kumpel" gemacht. Schließlich ist ihre beste Freundin für Sie doch auch eine Art Kumpel. Oder irre ich mich?
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