unabhängig & überparteilich

Der Weg zum glücklichen Zombie

Von Einsicht geplagt

Da schreibt z. B. doch das Bündnis für Zukunft tatsächlich einen offenen Brief an die Abgeordneten mit der Forderung, statt einen Blankoschecks über 500 Milliarden an die Banken auszustellen und damit den Straftatbestand der Insolvenzverschleppung zu begehen, sollten sie lieber dem Betrugssystem ein Ende bereiten. Was denken sich diese Leute? Wie anders sollen die Risiko-Anleger denn sonst zumindest ihren Einsatz zurück bekommen? Welchen Sinn soll Volk ansonsten haben, wenn man es nicht einmal für die Fehler "der dort oben" zumindest haftbar machen kann. Auch die kritisierten Bad Banks müssen schnell eingerichtet werden, damit der Geldfluss von unten nach oben nicht zulange unterbrochen wird. Nun ja, die vom Bündnis für Zukunft sind offenbar noch nicht so weit wie ich und noch nicht bereit, die Metamorphose zum glücklichen und hirnlosen Zombie zu vollziehen.

Aber ich habe es eingesehen, ich muss mein Verhalten ändern, wie alle vernünftigen Menschen mein Bestreben darauf ausrichten, auch ein glücklicher Zombie zu werden. Bei den Wahlen in diesem Jahr könnte ich damit beginnen. Aber damit kommt natürlich auch wieder der Zwang, eine eigene Entscheidung zu treffen. Moment mal, ich kann diesem Zwang doch entgehen, wenn ich einfach nicht wählen gehe, dann muss ich mich auch nicht entscheiden. Ich überlasse damit die Entscheidung anderen. Aber so ganz habe ich mich von meiner bisherigen Vorstellung wohl doch noch nicht gelöst, denn schon kommen mir wieder Zweifel. Was, wenn die anderen meinen schnellen Weg zum glücklichen Zombie verbauen und die Linke wählen? Nein, besser, ich verschwende meine Stimme nicht und gehe doch zur Wahl. Aber wen wähle ich? Die CDU? Sie betont derzeit so stark, dass sie die Mehrwertsteuer nicht erhöht, dass man vermuten darf, dass die Erhöhung dann wirklich erst frühestens im Juli 2010 kommt, denn 9 Monate Vorlauf wird man schon benötigen, den Menschen klar zu machen, dass sich niemand davor drücken darf, die Banken zu retten, mitzuhelfen, dass sie wieder ins alte Fahrwasser geschleppt werden können, sozusagen als indirekte Antwort auf das Schreiben des Bündnis Zukunft.

Wie ein richtiger CDU-Mann handelt, hat ja der Finanzminister von NRW mit der LEG (Landesentwicklungsgesellschaft) bereits gezeigt. Er hat die hoch verschuldeten 93.000 Wohnungen der LEG (Taxwert 3,4 Milliarden) an die Goldman-Sachs-Tochter "Whitehall" für 787,1 Millionen verkauft. Jetzt wirft ihm die Opposition vor, er habe die LEG an Heuschrecken verkauft, was natürlich Unsinn ist und er als gestandener CDU-Minister auch gut zu begründen weiß. Er habe die LEG an die "Whitehall Real Estate Funds" verkauft und so viel englisch müssten seine Oppositionskollegen ja auch haben, um zu wissen, dass sich dahinter eine Mehrzahl von Fonds verberge. Zwar legt das englische Wörterbuch das ein wenig anders aus, aber mit solchen Kleinigkeiten muss man sich ja nicht aufhalten. Statt glücklich zu sein, dass der umsichtige Finanzminister wieder ein Stück Land ans Ausland verkaufen konnte, regt sich nun die Opposition darüber auf, er habe Land und Wohnungen an "Heuschrecken" verkauft. Aber sind die Heuschrecken nicht eine Plage Gottes und als solche eigentlich anbetungswürdig? Sind die modernen Heuschrecken, wie in diesem Fall die eigentlichen Käufer, die vier Erwerbergesellschaften: die Frankfurter Lancaster GmbH & Co. KG, die in Düsseldorf eingetragene "Kronen tausend230 GmbH & Co. Vorrats KG", die in Amsterdam residierende Restio B.V und die in Luxemburg ansässige Peery LuxCo S.a.r nicht auch nur die uns gesandte Plage der modernen Götter (Dollar, Euro, Yen)? Außerdem sind es reine Zweckgesellschaften der "Whitehall", die mit solchen Zweckgesellschaften, die kaum Eigenkapital haben, bei solchen Deals Steuern sparen helfen. Ist es nicht nachgerade die Pflicht eines Finanzministers in einer Finanzkrise, zu verhindern, dass "Investoren" in solch profane Forderungen wie das Zahlen von Steuern zu verwickeln? Und ist nicht ein Erlös von 8.433 € für eine Wohnung geradezu fürstlich zu nennen? Wenn er geschickt war, dann hat er nur die Wohnungen, nicht aber die darauf lastenden Schulden verkauft. Ein wenig muss ja auch für die Steuerzahler übrig bleiben und sei es auch nur auf der Sollseite. Und was ein aufrechter Politiker ist, der aus einer der Parteien mit dem "c" kommt, der fühlt sich wie immer zuerst den Göttern verpflichtet, wer immer auch dort momentan das Sagen hat.



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