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Finanzkrise

Die Liquiditätsfalle

Die Regierung zückt 500 Milliarden Euro Steuergelder für deutsche Banken. Sicher ist der Finanzminister sich jedoch nicht, ob diese Maßnahme zur Vertrauensbildung ausreicht, die Finanzkrise zu beenden.

Vom Wirtschaftswissenschaftler Keynes wurde bereits in den 1930er Jahren das Phänomen als Liquiditätsfalle bezeichnet, wenn Geld bei sinkenden Zinssätzen nicht mehr für Investitionen angeboten wird und somit dem Wirtschaftskreislauf tendenziell entzogen bleibt.

John Maynard KeynesNach Keynes bleibt Geld diesem Fall zunehmend liquide, steht dem Wirtschaftskreislauf nur noch kurzfristig zur Verfügung. Die Folge davon ist eine strukturelle Nachfragelücke und langfristig Deflation verbunden mit latenter Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit.

Keynes warnt auch, dass dann Krisenerscheinungen virulent werden, die zunehmende staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben hervorrufen. Oft geschieht dies in Form von wiederholten enormen "Finanzspritzen" und Zinssenkungen der Zentralbank, was wiederum zunehmend latente Inflationsgefahr bei gleichzeitig steigender Deflationsgefahr bedingt, ein "Tanz auf des Messers Schneide". Hand in Hand wächst damit die staatliche Reglementierungsbereitschaft.

Der andauernde Fluss der Liquiditätsprämie (Zinsen/Provisionen) kann nach Keynes zu gewaltigen "Vermögens-Umverteilungen" führen.

Wenn die Wirtschaftsteilnehmer einen steigenden Zinssatz erwarten, kaufen sie keine zusätzlichen zinsbringenden Wertpapiere, da deren Wert bei einer Zinssteigerung fallen würde und dem Risiko des Wertverlustes keine Aussicht auf Wertsteigerung infolge von wieder fallenden Kreditzinsen entgegensteht. Demzufolge wird Geld weder für Wertpapiere noch für Güter ausgegeben. Es wird dem Wirtschaftskreislauf in spekulativer Absicht entzogen und in der Spekulationskasse gehalten, verschwindet also in der Liquiditätsfalle. Damit ist die Gefahr einer Deflation verbunden.

Der kritische Zinssatz ist der sogenannte Strike-Zins, der nicht unterschritten wird, weil die Wirtschaftsubjekte trotz der Erhöhung ihres Geldbestandes nicht mehr in Zinstitel investieren. Die Geldpolitik der Zentralbank als Mittel der Nachfragestimulation wird unwirksam, weil auch bei weiter fallenden Zinsen die Nachfrage nach Wertpapieren nicht steigt. In dieser Situation muss der Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft aktiv werden, beispielsweise durch eine expansive Fiskalpolitik. Eine solche Situation kann eintreten, wenn der Zinssatz nahe oder genau null ist. Eine Ausgabenerhöhung des Staates aufgrund einer Liquiditätsfalle bedeutet, dass der Staat von der Wirtschaft gezwungen werden kann zu investieren, um einer Deflation vorzubeugen.

Wohin geht also die Reise der Bundesregierung?
Mit Vollgas in die Liquiditätsfalle?

Links:
Wikipedia: John Maynard Keynes
Wikipedia: Liquiditätsfalle
Wikipedia: Weltwirtschaftskrise


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